Welche Batterietypen gibt es und welche eignen sich dafür als Wohnmobil-Aufbaubatterie?
1. Nassbatterie (Blei-Säurebatterie)
Wird häufig beim KFZ als Starterbatterie eingesetzt, robust, verträgt hohe Ströme (Anlasser) und ist günstig in der Anschaffung. Es entsteht Wartungsaufwand (destilliertes Wasser auffüllen) und die Batterie hat nur eine geringe Zyklenfestigkeit. Beim Betrieb können Gase entstehen (Wasserstoff), daher ist sie NICHT für Innenräume ohne Belüftung geeignet, daher verbietet sich der Einsatz im Innenraum des Wohnmobils oder Wohnwagens. Beim Kippen können ätzende Flüssigkeiten (Schwefelsäure) auslaufen
2. Gel-Batterie
Ist wartungsfrei, kein Auslaufen von Flüssigkeiten, keine Ausgasung bei normalen Betrieb. Gilt als tiefentladungsfest, ist aber etwas teuer als z.B. eine AGM Batterie. Die Ladespannung ähnelt der Nassbatterie, reagiert aber empfindlich auf zu hohe Ladespannung. Bei guter Behandlung ist eine lange Lebensdauer möglich.
3. AGM-Batterie
Ist ebenso wartungsfrei, auslaufsicher und ebenso geeignet für Innenräume (keine Gasentwicklung). Benötigt meist eine etwas höhere Ladespannung als eine Gel-Batterie, daher spezielles Ladegerät empfohlen. Liegt vom Preis her meist zwischen der Nass- und der Gel-Batterie.
4. Lithium-Eisenphosphat (LiFePO₄)
Sehr leicht und kompakt, hohe Zyklenfestigkeit, viel höhere nutzbare Kapazität, schnelle Ladung, geringe Selbstentladung (bei Gel- und AGM-Batterien können nur etwas 50% der rangebenen Kapazität genutzt werden, bei einer Lithium-Batterie sind es 80 bis 90%). Dafür sehr teuer, benötigt ein Batterie-Management-System (BMS, meist integriert) und darf nicht bei unter 0 Grad geladen werden – geht sonst kaputt. Daher wird empfohlen, ein Modell mit integrierter Heizung zu wählen oder das Laden bei tiefen Temperaturen muss eben verhindert werden. Klare Empfehlung für den Einsatz im Wohnmobil wenn das Budget passt und die entsprechen Ladegeräte verbaut sind (s.u.).
5. Lithium-Ionen-Batterie (LiCoO₂, NMC oder NCA genannt)
Hat eine noch etwas höhere Energiedichte, auch sehr leicht und kompakt.
Aber: Neigt bei Beschädigung, Überladung oder Tiefentladung zu thermischem Durchgehen (Brand- und Explosionsgefahr) und ist ebenfalls temperaturempfindlich, daher keine Empfehlung für den Einsatz im Wohnmobil.
Vorhandene Aufbaubatterie ersetzen
In älteren Wohnmobilen wurden meistens Gel- oder AGM-Batterieren für den Aufbau verwendet. Soll die alte Batterie durch eine neue ersetzt werden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die entsprechenden Ladegeräte (betr. Netz-Ladegerät bei Einspeisung aus dem 220V-Netz, Ladebooster zum Laden während der Fahrt und falls vorhanden MPPT Solar-Regler) für diesen Batterietyp geeignete Einstellungen ermöglichen.
Oftmals ist bei (sehr) alten Wohnmobilen zum Laden während der gar kein Ladebooster vorhanden, sondern es werden einfach sobald der Motor läuft die Aufbaubatterie und die Starterbatterie parallel geschaltet, d.h. die Aufbaubatterie wird dann von der Lichtmaschine (mit) geladen. Das ist bei einer Gel-Batterie auch soweit unkritisch, da die max. Ladespannung (14.4V) und die Ladekurve einer Gel-Batterie in etwa der einer Blei-Säurebatterie entsprechen.
Häuft werden AGM-Batterien als Ersatz für vorhanden Gel-Batterien angepriesen und ist erfahrungsgemäß ebenfalls unkritisch. Die max. Ladespannung von AGM-Batterien liest zwischen 14.4V und 14.7V, das variiert von Hersteller zu Hersteller. Im Zweifelsfall lassen sich diese Angaben vor dem Kauf prüfen und man wählt ein Modell mit 14.4V. Ansonsten wird die Batterie schlimmstenfalls nicht ganz vollständig geladen, was sich vielleicht verschmerzen lässt. Im Idealfall verfügt man über eine Solaranlage auf dem Dach mit einem vernünftigen MPPT-Solar Laderegler, bei dem sich Batterietyp und ggf. die Ladespannung noch manuell exakt einstellen lässt. Dann gibt es (zumindest im Sommerbetrieb) keine Probleme.
Als kritisch anzusehen ist hingegen der Tausch der vorhanden Gel-Batterie gegen eine LiFePO₄-Batterie bei nicht vorhandenem Ladebooster, also bei dem oben beschriebenen Szenario der Quasi Parallelschaltung von Starter- und Aufbaubatterie. Aufgrund des viele geringeren Innenwiederstandes kann es zu unkontrolliert hohen Strömen, bei denen bestenfalls ein Sicherungsautomat rausspringt und das Laden beendet aber schlimmstenfalls die Lichtmaschine Schaden erleidet oder Kabel durchschmoren, weil Querschnitte nicht ausreichen und es zu einem Brand kommt. Zwar verfügen LiFePO₄-Batterien in der Regel über ein integriertes BMS (Batterie Management System), aber das kein Laderegelsystem in dem Sinne, sondern mehr ein Not-Abschaltsystem um Schaden an der Batterie durch Überspannung oder hohe Ströme zu verhindern. Hier wäre also in jedem Fall ein Eingriff (vom Fachkundigen!) in die Bordelektronik notwendig, um das Alden während der Fahrt abzuschalten oder nachträglich einen geeigneten Ladebooster zu installieren.
Ist ein Ladebooster vorhanden, muss geprüft werden, welche Einstellmöglichkeiten vorhanden sind. Bei älteren Modellen gibt es manchmal als einzige Option einen Switch, wo zwischen Gel- und AGM-Batterie gewählt werden kann. Dabei geht es in erster Linie um die Ladespannung, die bei einer AGM-Batterie wie gesagt etwas höher ist. Soll der Ladebooster weiterhin Verwendung finden, muss die Einstellung für Ge-Batterie gewählt werden, weil die Ladespannung der LiFePO₄-Batterie mehr der einer Gel-Batterie ähnelt (also ähnlich niedrig ist). Das mag also gehen, immerhin begrenzt ein vorhandener Ladebooster ja schon mal den Strom, optimal ist das aber nicht. Bei einem guten Ladebooster lässt sich der gewünschte Batterietyp und Ladespannung einstellen (auch bei LiFePO₄-Batterien kann eine bestimmte Ladespannung vom Hersteller angegeben sein).
Weiterhin muss beim Einsatz der LiFePO₄-Batteriebeachtet werden, dass sie bei Temperaturen von unter Null Grad nicht geladen werden dürfen, sonst gehen sie kaputt. Wird das Fahrzeug im Winter bewegt, würde der Ladebooster den Akku zerstören. Dafür git es Lösungen: Entweder die Batterie verhindert das Laden durch einen Sensor selbst oder / und es wird eine integrierte Heizung im aktiviert und der Ladevorgang beginnt erst nach der gewünschten Erwärmung. Einige Hersteller bieten Modelle mit integrierter Heizung oder Abschaltung-Reglern an. Hier muss jeder schauen, welche der genannten Problematiken bei dem eigenen Benutzerverhalten relevant sind.
Für das Netzladegerät und das evtl. vorhandene Solar Ladegerät gelten die hier soeben beschriebene Bedingungen natürlich ebenso.
Fazit: Umrüstung auf LiFePO₄-Batterie ist möglich, bei einem Oldtimer aber mit Aufwand verbunden. Wenn ohnehin kein Wechselrichter mit hoher Leistung angeschlossen werden soll, weil eine vielleicht eine mobile Powerstation vorhanden ist, reicht vielleicht eine günstige AGM-Batterie, die problemlos als Ersatz verwendet werden kann.
Zum Thema Solar siehe auch den Beitrag zum Thema Solar Laderegler.


